Praktikumsbericht

 

2014

Johanna unsere erste Praktikantin

 Mein Praktikum bei der Eseltherapie Terhürne

Mein Praktikum bei der Eseltherapie Terhürne

Am Montag beginne ich mein Praktikum. Ich bin 19 Jahre alt, angehende Psychologiestudentin und interessiere mich sehr für das Feld der tiergestützten Therapie. Bevor mein Studium beginnt, habe ich noch ein bisschen Zeit. Deshalb habe ich mich bei Bianca für ein 2-wöchiges Praktikum beworben und was soll ich sagen? Es hat sich gelohnt. Ich habe eine tolle Zeit verbracht, die mich sowohl für mein Studium als auch persönlich sehr bereichert hat. Hier sind ein paar Eindrücke aus der kurzen aber intensiven Zusammenarbeit mit Bianca und Alois Terhürne:

 

Montag – Pädagogischer Besuch auf dem Hof Nachmittags kommen 4 Jungs von der Realschule (5./6. Klasse) mit ihren 2 Betreuern. Die vier gelten als sogenannte „schwierige“ Fälle aus sozial schwachen Familien. Die Betreuer erzählen von den Hintergründen der Kinder, bei denen zuhause teilweise nicht einmal die Grundversorgung gewährleistet ist. Die 3-stündige Sitzung beginnt mit den beiden jungen sieben Wochen alten Katzen, mit denen die Kinder spielen können. Damit sind sie dann auch vorerst beschäftigt und man merkt schnell, dass 3 der 4 Jungs schon einmal da waren – sie wissen schon mehr darüber, wie man die Tiere behandeln muss und wie man sie beschäftigen kann. Als das langweilig wird, kommen die beiden Hunde Leila und Judy dazu und schnell beginnen die Jungs, sich selbstsicherer und selbstständiger auf dem Hof zu bewegen, gehen zu den Hühnern, Pferden und Eseln nach draußen. Ein Junge beginnt zu versuchen, den Esel Kimi über die Holzwippe zu führen – mehr oder weniger von Erfolg gekrönt. Die anderen beschäftigen sich mit den Hunden, spielen Fußball mit ihnen, oder den Schafen und Ziegen. Ein sehr verhaltensauffälliger Junge gerät plötzlich scheinbar unerklärlich in Streit mit einer Mitarbeiterin, als sie sich gegenseitig gekabbelt haben – eine schier unsichtbare Grenze wurde überschritten, die Gratwanderung gescheitert. Erst als Bianca nach einer Weile dazu stößt und ihm anbietet, ihr mit der störrischen Eselin Mona zu helfen, beruhigt er sich und seine Laune bessert sich schlagartig, als Mona tatsächlich auf ihn hört und mit sich arbeiten lässt. Dann kann man also doch den Abend schön beim gemeinsamen Grillen ausklingen lassen.

 

Dienstag – Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie – Bereich Kinder (4-14 J.) Mittags geht es los zur Klinik. Mit von der Partie sind der Esel Kimi, die Hündin Leila, das Huhn Mrs Huhn, die beiden Kätzchen Keksi und ihr namenloser Bruder, die Kaninchen Bernhard und Bianca und das Meerschweinchen Meiki. Ich finde es sehr interessant, das Verhalten der Kinder mit den Tieren zu beobachten. Ganz unterschiedlich gehen sie auf die Tiere zu oder auch nicht – ganz von ihrem Krankheitsbild abhängig. Während einige extrem zurückhaltend sind, gehen andere ziemlich rigoros mit den kleinen Katzen um, die allerdings bei allen gut ankommen. Bei zwei so süßen Gefährten geraten die anderen schon einmal schnell in den Hintergrund, was denen allerdings auch nicht unangenehm ist, können sie so doch in Ruhe bei 25°C im Schatten schlafen. Die Zeit mit den Patienten geht schnell um und so brauchen wir, wieder zuhause angekommen, nur noch die Tiere zu füttern und genießen den warmen Sommerabend.

 

Mittwoch – freie Arbeit mit den Tieren/ Pflege Heute sind keine Termine angesetzt, d.h. dass wir in Ruhe mit den Tieren arbeiten können. Um Kimi und Mona auf das Eseltreffen im August vorzubereiten, übe ich mit ihnen zum Beispiel, in einen Treckerreifen zu steigen oder den Huf in einen Eimer Wasser zu stellen – besonders bei Krimi ist das eher von mäßigem Erfolg gekrönt. Sie läuft zwar beim Führen sehr gut mit, ist aber von diversen Hindernissen – besonders mit Wasser – gar nicht angetan. In den Reifen zu steigen klappt nach einiger Zeit und viel gutem Zureden dann doch. Mona ist das totale Gegenteil – sie stellt ohne Probleme ihr Bein in einen Eimer Wasser und läuft auch ohne viel Zutun durch den Reifen. Allerdings kostet es viel Zeit und Überzeugungskraft, sie überhaupt auf die Stallgasse oder gar die Wiese zu bewegen. Die beiden haben wirklich ganz eigene Persönlichkeiten und deshalb macht das Arbeiten mit ihnen unglaublich viel Spaß. Dasselbe gilt jedoch auch für die restlichen Tiere des Hofes: egal ob Shetty Garbano, Hündin Judy oder Minischwein Mikka – jeder leistet einen besonderen Beitrag zu dem spannenden, nie langweilig werdenden Hofleben. Ich bin begeistert.

 

Donnerstag – Einsatz im Altenheim Meine Begeisterung steigt weiter. Heute geht’s in ein Altenheim zu einer Patienten, die kleinwüchsig ist und spastisch mehrfach körperlich behindert. Im Alltag zeigt sie offensichtlich wenig bis keine Emotionen oder Regungen. Bianca war schon einmal mit Kaninchen Bernhard und Hündin Leila da, wo die über 50-jährige Patientin mit Schuhgröße 28 nur bei Leila zumindest eine kleine Regung gezeigt hat, jedoch trotzdem wie nicht anwesend erschien. Heute soll sie nun einmal auf Esel Kimi. Auch wenn alle zunächst ein wenig skeptisch sind, ob und wie die Patientin, die in einem Rollstuhl sitzt, sich auf dem Esel halten kann, geschieht etwas Unglaubliches: Die Patientin fängt nicht nur an zu lächeln, als sie Kimi sieht – als sie auf den Esel gelegt werden soll, setzt sie sich von alleine auf und nimmt eine Haltung wie ein Profireiter ein. Aus eigener Kraft schiebt sie mit den Beinen die Decken zur Seite, um das warme Fell des Tieres zu spüren. Sie strahlt über das ganze Gesicht und nimmt Bianca und ihre Pflegern, die sie unterstützend und zur Sicherheit festhalten, in dem Arm. Sie blickt nicht mehr durch alles hindurch – sie sieht die Menschen an und nimmt aktiv an der Situation teil. Die Pflegerin ist zu Tränen gerührt. Die Magie der Situation ist unverkennbar: Kimi hat geschafft, was kein Mensch je geschafft hat. Wie sie das gemacht hat, bleibt ein Geheimnis aber fest steht: Es klappt und es hilft den Menschen, die die Hilfe brauchen und sonst nirgends bekommen. Gut gemacht Kimi!

 

Freitag – Einsatz im Altenheim – Demenzgruppe Heute geht es wieder zu einem Altenheim – diesmal in eine Gruppe Demenzkranker. Das Treiben ist herrlich: Als die Tiere alle auf den Tisch in der Mitte gesetzt werden, gerät Leben in die Gruppe. Mit von der Partie sind Schwein Mikka, Hündin Judy, die Kaninchen Bernhard und Fussel, die Meerschweinchen Schoki und Meiki und natürlich die kleinen Kätzchen. Man erzählt von seiner Kindheit auf dem Bauernhof mit Kühen und Schweinen oder von seinem Hund, als man „noch jung“ war. Danach geht es mit Judy und den Katzen noch zu zwei Einzelbesuchen. Die Patienten freuen sich wirklich über die Tiere und die Gesellschaft. Viele haben keine Angehörigen oder diese leben weit weg und kommen nur selten zu Besuch. Da ist jede Abwechslung – und besonders eine mit Tieren – natürlich sehr willkommen.

 

Montag – freie Arbeit mit den Tieren/Pflege Die Woche beginnt damit, den neuen Champion zu feiern: Kimi hat am Sonntag das Eselrennen in Ense gewonnen! Sie begrüßt mich morgens allerdings relativ unbeeindruckt von ihrem Erfolg. Allerdings haben wir Zuwachs bekommen. Für die nächsten 2 Wochen ist der Golden Retreiver „Scotty“ bei Terhürne zu Gast. Da alle drei Hunde allerdings etwas streng riechen, werden sie als ersten Punkt der Tagesliste erst mal gewaschen. Die drei lassen das mehr oder weniger gelassen über sich ergehen und besonders Judy und Scottie lassen den Cocos-Geruch schnell im Ententeich… Weiter geht es mit einer Rundumerneuerung des Kaninchenstalls. Alle Tiere nach draußen und auf geht’s. Ganze 5 Säcke füllen wir mit gebrauchtem Streu. Während die drei Rabauken von Hunden zwischen unseren Beinen wuseln, konstruieren Bianca und ich noch zwei getrennte Gehege im großen Gehege für die Meerschweinchen, die sich offenbar nicht untereinander verstehen – die einen werden gebissen und die anderen sind ganz abgemagert, weil sie kein Futter abbekommen. Als auch das geschafft ist, fahren wir noch kurz zum Einkaufen und gönnen uns ein Eis aus der Kuh-Bar, das auch den beiden Kätzchen gut gefällt und die werden immer frecher!

 

Dienstag – Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie – Bereich Kinder (4-14 J.) Heute besuchen wir wieder die Klinik im Bereich Kinderpsychiatrie. Mit dabei sind Kimi, Garbano, Keksi, Bernhard, Fussel, Schoki, Meiki, Huhn Schneewittchen, Mikka und Leila. Hauptattraktion bei den 7 – 13 jährigen Patienten ist meist die kleine Keksi, die jetzt alleine ist, da ihr Bruder ein neues Zuhause gefunden hat. Aber wir arbeiten auch mit Leila und Garbano. Wieder sind sehr unterschiedliche Begeisterungsstufen dabei – von Angstzuständen bis zu völliger Losgelöstheit und Kreativität im Arbeiten und Spielen mit den Tieren. Erstaunlich finde ich vor allem, wie viel man doch von den Kindern in dieser halben Stunde erfährt. Entweder sie erzählen ganz viel oder man erfährt einiges durch ihren Umgang mit Tieren, ob sie offen sind, ängstlich, reserviert oder draufgängerisch – ein grobes Bild lässt sich schnell zeichnen. Meiki ist über das Wochenende sehr abgemagert und wir müssen ihn hinterher noch zum Tierarzt bringen, der ein Zahnproblem feststellt, was Bianca schon vermutet hatte. Judy wird noch schnell geimpft und dann ist der Tag auch schon wieder vorbei.

 

Mittwoch – Pressearbeit Heute stehen keine Termine an, nur die regionale Presse kommt – das heißt vormittags erst mal alles ein bisschen auf Vordermann bringen. Nachmittags kommen dann die beiden Herren (Schreiber und Fotograf) des Westfälischen Anzeigers der Stadt Hamm mit ihrer Praktikantin (höhö). Da Bianca im Stau steckt, erzählt Alois zunächst alleine vom Eselrennen und auch von der Therapie. Die Presseleute sind hoch begeistert und auch als sie Kimi später zu Gesicht bekommen, steigert sich die Begeisterung noch, wie man auch im Artikel im „Westfälischen Anzeiger, Hamm“ direkt am nächsten Tag erfährt. Als sie sich verabschieden, machen Bianca und ich uns noch auf den Weg, um ein paar Besorgungen zu machen und dann ist auch schon die Mitte der 2. Hälfte meines Praktikums vorbei.

 

Donnerstag – Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie – Bereich Jugend (14 – 18 J.) Es geht wieder zur Klinik – erstmals in den Jugendbereich. Was hier „abgeht“, hat ein ganz anderes Kaliber als im Bereich Kinder. Die Jugendlichen mussten schwere Schicksalsschläge wie den Verlust eines Elternteils oder schwerwiegende komplexe Familiensituationen erleiden, die in psychischen Problemen wie schweren Depressionen mit Suizidversuchen und Selbstverletzung, Magersucht oder Tendenzen zur Borderline-Erkrankung münden. Das Arbeiten mit den Tieren setzt hier also viel therapeutischer und auch zielgerichteter an, als bei den Kindern. Wichtig sind vor allem die Steigerung des Selbstbewusstseins, die Verarbeitung von traumatischen Erlebnissen oder das „Finden zu sich selbst“. Da heute der erste Termin ist, gilt für alle erst mal, die Tiere kennenzulernen. Mit dabei sind Kimi, Leila, Judy, Bernhard, Krümel, Schoki, Keksi und Rusty. Zwar kann man bei der ersten Therapiestunde noch nicht von merklichen Veränderungen sprechen, aber ich kann mir vorstellen, dass es den Patienten, die selbstsicherer werden wollen, sehr gut tun wird, mit Kimi zu arbeiten. Schon jetzt kann man die ersten Tendenzen erkennen. Merklich anders ist auch das hohe Bewusstsein der Patienten. Während viele Kinder nicht recht wissen, etwas mit den Tieren anzufangen, können die Älteren schon viel eher ihre Meinung und Erfahrung einbringen, wobei ich auch eine viel größere Offenheit erfahre – nicht nur Bianca oder den Tieren gegenüber sondern auch sich selbst. Meiner Meinung nach also ein ganz interessantes und vielversprechendes Feld, die tiergestützte Therapie einzusetzen und von ihr zu profitieren.

 

Freitag – freie Arbeit mit den Tieren/Pflege An meinem vorletzten Tag steht nichts Besonderes an, also beginne ich damit, leere Ställe zu säubern – das letzte der Wildkaninchen, die zur Aufzucht da waren, ist nun leider auch verstorben. Ansonsten halten die Hunde den ganzen Laden auf Trab und alle warten gespannt darauf, dass die hochtragende Aicha endlich wirft. Zwischendurch holen wir noch Brötchen für die Enten und Gänse von eine nahegelegenen Bäckerei, was mich erschreckend die Folgen unserer Wegwerfgesellschaft erkennen lässt, denn die meisten Brötchen im „Müll“ sind noch so frisch, dass sie mit Sicherheit noch am gleichen Morgen gebacken wurden. Ein ganz entspannter Tag also, dessen stressigste Aktion war, dass die Pferde und Esel mit den Ziegen und Schafen das Gehege getauscht haben, da (vermutlich Sandro) herausgefunden hat, wie das Tor zu öffnen ist. War nicht weiter tragisch, nur ganz lustig.

 

Samstag - Forensik Heute wird es noch einmal spannend: Wir besuchen den Maßregelvollzug für intelligenzgeminderte Straftäter. Aus Datenschutzgründen dürfen wir aber keinerlei Auskunft über die Verläufe geben. Meiner Meinung nach aber ein weiteres interessantes Feld mit Potential.

 

Fazit Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich sehr viel aus den 2 kurzen Wochen mitnehmen konnte. Nicht nur, was die Haltung der verschiedenen Tiere betrifft, sondern vor allen Dingen die Arbeit in der tiergestützten Therapie. Durch das breit gefächerte Angebot der Eseltherapie Terhürne konnte ich einen Einblick in viele Felder bekommen, in denen tiergestützt therapeutisch gearbeitet wird und habe gelernt, was es bedeutet, eine solche Therapie zu führen. Die Arbeit hat mich motiviert, mein Studium möglichst gut und zügig zu beenden. Ich fühle mich sehr geehrt, die erste Praktikantin der Eseltherapie Terhürne gewesen zu sein, vielen Dank dafür an Bianca und Alois und viel Spaß an meine Nachfolgerinnen und Nachfolger!

 

Praktikanten und Hospitanten sind bei uns willkommen...